Gebäudeautomation mit KNX – auch für kleine Wohnungen bezahlbar?

Intelligentes Wohnen ist in aller Munde. Modernste Technik macht es möglich:
Durch die komplette Vernetzung sämtlicher Gewerke einer Wohnung kann alles von einer zentralen Stelle aus gesteuert werden. Dass eine intelligente Gebäudeautomation nicht teuer sein muss, zeigt das Beispiel einer Eigentumswohnung in Balgach SG.

Mit der Entwicklung moderner Technologien hat das Intelligente Wohnen in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Vor 15 Jahren wurden die ersten sogenannten «Smart Homes» realisiert. Heute sind sie nach wie vor die Ausnahme, in naher Zukunft werden sie aber die Regel sein. Und dies aus guten Gründen: Sie sind energieeffizienter, sicherer und komfortabler als herkömmliche Bauten. Denn eines ist klar: So wie die Vernetzung in vielen anderen Bereichen des täglichen Lebens Einzug gehalten hat, so wird sie sich früher oder später auch im Heimbereich durchsetzen. Die zahlreichen Smartphones und Tablets, die im Umlauf sind, verleihen der Entwicklung weiteren Auftrieb. So hat alleine Apple im ersten Quartal 2015 über 75 Mio. iPhones verkauft – so viele wie nie zuvor. Über Smartphones oder Tablets können die Hausautomationssysteme heute sehr einfach und von überall her gesteuert werden. Das macht die vormals komplexen Systeme benutzerfreundlicher und eröffnet für die gesamte Branche neue Chancen, um die Kunden von den zahlreichen Möglichkeiten zu überzeugen. Die Türe zum Intelligenten Wohnen steht also weit offen – und dies ohne riesige Summen investieren zu müssen.

Zentrale Steuerung als Pluspunkt
Einer, der die Chance ergriffen hat, ist Roland Seitz. Er besitzt seit Januar 2015 eine Wohnung in einem frisch nach Minergie-Standard erbauten Mehrfamilienhaus im beschaulichen Balgach im St.Galler Rheintal. Schon von Beginn an war für ihn klar, dass seine Wohnung mithilfe eines KNX-Bussystems vernetzt sein soll. «Die Visualisierung war für mich der ausschlaggebende Punkt. Ich wollte alles von einem Ort aus steuern können», erklärt er. Deshalb kontaktierte Roland Seitz schon früh den Generalunternehmer, da ein KNX-Bussystem bereits während der Bauphase implementiert werden musste. Schnell war klar, dass ein kompetenter Systemintegrator die Sache an die Hand nehmen musste. Mit der Firma Eibrom St.Gallen GmbH im benachbarten Diepoldsau wurde ein geeigneter Ansprechpartner gefunden. Gemeinsam evaluierten sie die Interessen und Vorstellungen des Eigentümers. Da sich im Mehrfamilienhaus nur Seitz für ein Bussystem entschieden hatte, konnte die Wohnung als abgeschlossene Einheit betrachtet und zügig mit der Planung begonnen werden. Hätten sich mehrere Wohnungseigentümer für ein KNX-Bussystem entschieden, hätte man die Kosten noch weiter senken können.

Intelligente Automation unterschiedlichster Gewerke
In der 4,5-Zimmerwohnung sind nun zahlreiche technische Raffinessen mit unterschiedlichen Funktionen eingebaut, wobei das ganze System über den offenen KNX-Feldbus läuft. Die Beleuchtung ist über ein DALI-Gateway eingebunden worden und lässt sich stufenlos dimmen. Integrierte Zeitschaltuhren im Visualisierungs-Controller IP Control Center erlauben es, die Beleuchtung nach vordefinierten Zeitfenstern ein- und auszuschalten. Für die automatische Beschattung ist die Wohnung in drei Sektoren unterteilt. Wird in einem Bereich der Sollwert für eine vorgegebene Sonneneinstrahlung erreicht, fahren die Jalousien automatisch herunter. Die Siemens-Wetterstation auf dem Dach liefert die wichtigsten Daten wie Lichtintensität, Regenzustand, Windgeschwindigkeit und Temperatur. Erreicht der Wind eine definierte Geschwindigkeit, fahren als vorbeugende Sicherheitsmassnahme die Sonnenstoren hoch und der Taster in der Wohnung blinkt zur Information rot. Des Weiteren ist in der Wohnung eine Einzelraumregelung integriert, sodass jeder Raum auf den eingestellten Sollwert geheizt wird. Zusätzlich löscht die Funktion «Zentral Aus» sämtliche Lichter und Anlagen mit nur einem Tastendruck. Die Basis ist damit gelegt. Als Erweiterung gibt es zahlreiche Funktionalitäten, die laufend ergänzt werden können. So zum Beispiel die automatische Bewässerung des Gartens, Multiraummusikanlagen, Tür- und Videotürsprechstellen oder Sicherheitsfunktionen mit zertifizierten Alarmanlagen. Als nächstes plant Roland Seitz Szenensteuerungen: Mit einem Tastendruck kann eine vordefinierte Szene eingestellt werden. Bei der Szene «TV» zum Beispiel werden die Lichter gedimmt und die Jalousien fahren herunter.

Einfache Visualisierung für das Tablet oder Smartphone
Sämtliche Funktionen können mithilfe des IP Control Centers von Siemens, einem kompakten Visualisierungscontroller, auf einem Tablet, Smartphone oder PC visualisiert werden. Die intuitive Gestaltung der Bedienoberfläche erfolgte durch die Firma Eibrom, die sich auf die Vernetzung mit KNX spezialisiert hat und Lösungen für die Bedienung und Steuerung von Licht, Storen, Heizung, Alarmanlage und Musik entwickelt. Mit der Visualisierung hat Roland Seitz die Möglichkeit mit einem einfachen Druck auf dem Touchscreen das Licht zu löschen, die Temperatur im Schlafzimmer einzustellen oder die Jalousien herunterzufahren – egal von welchem Ort. Die Lösung mit dem IP Control Center erlaubt einen Fernzugriff, sodass von unterwegs auf sämtliche Anlagen zugegriffen werden kann. Sollte es zum Beispiel an einem Abend später werden, können mit einem einfachen Touch auf dem iPhone die Jalousien heruntergelassen werden, sodass Einbrecher keine Chance haben.

Wenig Platz benötigt
Die ganzen technischen Geräte wie Steuerungen und IP Control Center haben aufgrund ihrer kompakten Bauweise in einem gängigen Sicherungskasten Platz. So benötigt zum Beispiel das IP Control Center im Schaltschrank lediglich eine Anbindung an den Kommunikationsbus KNX und an das Internet. Die Projektierung ist schnell und einfach durchgeführt: Nur das Engineering Tool (ETS) für KNX-Anlagen und der Webeditor, der auf dem IP Control Center vorinstalliert ist, werden benötigt. Die Darstellung der Benutzeroberfläche ist dabei frei gestaltbar. Das kam in diesem Projekt auch Eibrom zugute. Da Roland Seitz eine möglichst günstige Lösung wollte, war die von Eibrom sonst übliche komplexe Visualisierung mittels Home Server nicht möglich. «Mit dem IP Control Center von Siemens haben wir eine günstige und gute Alternative gefunden, um unsere eigene Benutzeroberfläche zu laden», erklärt Daniel Beck, Systemintegrator bei Eibrom.

Herausforderungen bleiben bestehen
Obwohl moderne Technologien wie Smartphones und intelligente Haustechnik auf dem Vormarsch sind, gibt es immer noch hohe Hürden, die es zu bewältigen gilt. «Viele Planer und Elektroinstallateure verbinden mit KNX automatisch Industrie- und Gewerbebauten sowie hohe Kosten», sagt Daniel Beck, «das muss nicht sein.» Als ein weiteres Problem sieht Beck das wechselnde Know-how: «Bei Elektroinstallateuren wechseln KNX-Spezialisten oft den Arbeitgeber, sodass das Know-how abwandert.» Deshalb seien Systemintegratoren, die sich auf die Programmierung, Entwicklung und den Support von KNX-Systemen spezialisieren, wichtige Eckpfeiler. Elektroinstallateure erhalten damit einen einzigen Ansprechpartner, wobei sie bereits in der Planungsphase unterstützt werden und Vorschläge erhalten, welche Geräte eingesetzt werden sollen. Eibrom konnte mit Elektroinstallateuren eine gute Zusammenarbeit aufbauen, sodass auch der Installateur von der Partnerschaft profitiert: «Obwohl er das Know-how nicht Inhouse hat, kann er dem Kunden eine perfekte Lösung anbieten. Eine Win-win-Situation für beide Seiten», ergänzt Daniel Beck.

Preiswerte Projekte realisierbar
Dass bereits kleinere KNX-Systeme günstig realisierbar sind, zeigt das Projekt in Balgach. Die Produkte für Intelligentes Wohnen sind in den letzten Jahren deutlich preiswerter geworden – bei einer gleichzeitig grösseren Auswahl. In erster Linie gilt es, die unterschiedlichen Geräte mit ihren Funktionalitäten für das entsprechende Objekt zusammenzustellen. Jedes Projekt ist jedoch sehr individuell und kann darum höhere oder tiefere Preiskategorien erreichen, je nachdem wie viele Gewerke integriert werden sollen. Umso wichtiger ist die frühzeitige Kontaktaufnahme mit allen involvierten Parteien, damit ein gemeinsamer Nenner gefunden werden kann. Denn KNX besitzt einen entscheidenden Vorteil: es ist offen für einen späteren Ausbau oder nachträgliche Erweiterungen

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